Leben im FIFO-Camp in Australien: Alltag, Unterkunft und Essen
Wecker um halb vier, zwölf Stunden Schicht, drei Stunden Feierabend. So sieht ein Tag im Camp wirklich aus, nach fünf Jahren auf über 15 Sites in Westaustralien.

Das Camp ist der Ort, an dem du deine gesamte freie Zeit verbringst. Morgens machst du dich dort fertig für die Schicht, abends kommst du zurück und hast Feierabend. Ein bis zwei Wochen am Stück, manchmal länger.
Ich habe fünf Jahre auf Sites in Westaustralien gearbeitet, auf über 15 verschiedenen Camps. So sieht es heute aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Du hast dein eigenes Zimmer mit Bad, Kühlschrank, Schreibtisch und Fernseher
- Die Verpflegung ist meist ein All-you-can-eat-Buffet. Unterkunft und Essen zahlt während deines Swings, also der ein- bis zweiwöchigen Schicht, der Arbeitgeber
- Der Wecker klingelt um 3:30 oder 4:00 Uhr, die Schicht dauert rund zwölf Stunden
- Nach Feierabend bleiben dir etwa drei Stunden, von 18 bis 21 Uhr
- Die meisten verbringen sie im Gym oder im Pub
- WLAN bis ins Zimmer, durch Starlink heute deutlich besser als noch vor Jahren
Wie sieht ein Tag im Camp aus?
| Uhrzeit | Was passiert |
|---|---|
| 3:30 bis 4:00 | Wecker. Duschen, Uniform an. |
| ab 4:00 | Weg zur Mess. Je nach Camp läufst du 10 bis 15 Minuten, deshalb lohnt es sich, früher rauszukommen. Frühstück. Deine Mahlzeiten für die Schicht packst du in eine Crib Bag, eine Arbeitstasche für Essen und Snacks. Dazu der Esky oder Trinkcontainer, meist 5 oder 10 Liter. Danach zum Parkplatz, wenn du mit Kollegen im Pickup fährst, oder zur Bushaltestelle für den Crew Bus. |
| 5:00 oder 6:00 | Schichtbeginn. |
| mittags | Pause von 30 bis 60 Minuten. Gegessen wird, was in der Crib Bag ist. |
| 17:00 oder 18:00 | Schichtende. Alle werden wieder mit dem Bus eingesammelt. Die Stimmung ist meistens gut, weil ein langer Arbeitstag gelaufen ist. Irgendwer hat Musik an oder verbreitet mit Banter Laune. |
| ab 18:00 | Zurück im Camp. Duschen, Freizeitkleidung an. |
| 18:00 bis 21:00 | Drei Stunden Freizeit. Gym, Essen, Wäsche, telefonieren. |
| ab 21:00 | Schlafenszeit. Am nächsten Morgen geht es um 3:30 Uhr wieder los. |

Wie wohnst du im Camp?
Du wohnst in einem Donga, einer umgebauten Containereinheit.
Standard in den meisten Camps:
- eigenes Bett
- eigene Dusche
- eigene Toilette
- Schreibtisch
- Kühlschrank
- Kleiderschrank
- Fernseher
- Klimaanlage
Du hast in aller Regel dein eigenes En-suite, also dein eigenes Badezimmer. Es gibt Camps, in denen du dir ein Bad mit einer anderen Person teilst. Das sind Einzelfälle.
Der Raum gehört dir, allerdings nur für die Dauer deines Swings. Wenn du für deine freie Woche ausfliegst, kann das Zimmer währenddessen einem anderen Mitarbeiter zugeteilt werden. Rechne deshalb damit, dass du beim Ausfliegen alles mitnimmst.
Es gibt Ausnahmen. Wenn du einen sogenannten Permanent Room hast, kannst du deinen Kram im Raum lassen. Kläre das im Zweifel vorher ab.

Welches Essen gibt es im Camp?
Das Essen ist in den meisten Camps richtig gut gemacht. Üblich ist ein All-you-can-eat-Buffet mit mehreren Gerichten zur Auswahl:
- drei Hauptgerichte
- Beilagen: Gemüse, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis
- Schwein, Rind, Hühnchen, teilweise Fisch
- Fish and Chips am Freitag
- Dessert, meist Kuchen oder etwas Süßes

Für deine Schicht nimmst du dir selbst etwas mit. Dafür gibt es abends vor der nächsten Schicht ein eigenes Menü, aus dem du dir zusammenstellst, was du willst. Ein halbes Hühnchen, Gerichte vom Vortag, die eingefroren wurden. In manchen Camps stehen fertig vorbereitete Mahlzeiten bereit, sodass du dir das Meal Prepping sparen kannst.

Trinken ist auf einer Site ein eigenes Thema. Du brauchst deutlich mehr Wasser, als du aus Deutschland gewohnt bist. Üblich ist ein Esky oder Trinkcontainer mit 5 oder 10 Litern. Viele füllen ihn schon im Camp auf, auf den meisten Sites gibt es aber auch Möglichkeiten nachzufüllen.
Wo das nicht der Fall ist, hat morgens jemand aus der Crew Ice Room Duty und versorgt alle für den Tag mit ein bis zwei 20-Liter-Containern Wasser.
Was zahlt der Arbeitgeber und was nicht?
Deine laufenden Ausgaben vor Ort sind während des Swings meist sehr gering. Unterkunft und Essen werden gestellt, sodass ein großer Teil deines Gehalts übrigbleiben kann.
Bei den Flügen ist der entscheidende Begriff Point of Hire, also der Ort, an dem du eingestellt wurdest. Geflogen wird zwischen der Arbeitsstelle und diesem Ort. Welcher Ort das ist, hängt vom Arbeitgeber und vom Vertrag ab.
Was der Arbeitgeber nicht zahlt, sind Flüge zurück nach Deutschland.
Wie ist der Umgangston auf Site?
Der Umgangston ist locker. Banter steht an der Tagesordnung, es wird viel gelacht und Spaß gemacht.
Gleichzeitig gibt es klare Grenzen. Wenn es zu weit geht, greifen strikte Maßnahmen, und es stehen Support-Programme bereit. Die Betreiber nehmen das ernster, als die meisten erwarten.
Was machst du nach der Schicht?
Nach der Schicht bleiben dir rund drei Stunden. Die meisten verbringen sie im Gym oder im Pub.
Die Wet Mess
Fast jedes Camp hat ein Pub, die Wet Mess. Die Vorschriften sind in den letzten Jahren deutlich strenger geworden.
Auf vielen Camps, auf denen ich gearbeitet habe, waren maximal vier Mid-Strength-Getränke pro Abend erlaubt. Bei Zwölf-Stunden-Schichten und teilweise 40 Grad würde ich mehr auch niemandem empfehlen. Das merkst du am nächsten Tag sofort an deiner Regeneration. Die genaue Regel hängt vom Betreiber, vom Arbeitgeber und von der Site ab. Einzelne Camps sind vollständig alkoholfrei.
Der eigentliche Grund, in die Wet Mess zu gehen, sind die Leute und dass man mehr mit seiner Crew verbunden ist. Manche haben wirklich gute Stories.
Ein Hinweis zur Kleiderordnung: In die Dry Mess, also die Kantine, kommst du nach der Schicht nicht mit dreckiger Arbeitskleidung. In die Wet Mess meistens schon.
Das Gym
Ich habe meine Zeit fast komplett im Fitnessstudio verbracht. Die Ausstattung hängt von Camp und Arbeitgeber ab, über 15 Sites hinweg war sie öfter besser als schlechter. Du bekommst in aller Regel ein gutes Workout hin und musst nicht lange auf Equipment warten.

In Kombination mit dem Essen im Camp kommt über einen Swing hinweg einiges zusammen. Wenn man es gut anstellt, wächst nicht nur der Kontostand, sondern auch die Muskelmasse.
Pools und Sportplätze
Je nach Camp gibt es Pool, Volleyball- oder Fußballfeld und Squash. Ich habe die Pools ehrlich gesagt nie genutzt. Ich fand es trotzdem nice, dass es sie gibt.
Wo wäschst du deine Sachen?
Es gibt einen Laundry Room mit Waschmaschinen und Trocknern, für Uniform und Freizeitkleidung. Auf den Maschinen steht, womit du rechnen musst: 30 Minuten waschen, 45 Minuten trocknen. Gut anderthalb Stunden pro Ladung, und alle kommen zur selben Zeit von der Schicht.
Deine Handtücher und Bettwäsche werden für dich jede Woche gewaschen, auf Anfrage auch öfter.
Da du Kleidung für drei bis vier Tage dabei hast und der Swing 14 Tage dauert, wäschst du zwangsläufig mehrfach mittendrin.
Direkt nach Schichtende sind die Maschinen stark umkämpft. Entweder du läufst zum nächsten Laundry Room, oder du timest es geschickt.

Erreichst du deine Familie von der Site aus?
Hier hat sich in den letzten Jahren am meisten verändert.
Die meisten Camps sind mit WLAN ausgestattet, bis ins Zimmer. Selbst ohne mobiles Netz erreichst du deine Familie, sobald du Feierabend hast. Durch Starlink ist die Verfügbarkeit heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren.
Beim Mobilfunk empfehle ich Telstra, die haben nach meiner Erfahrung die mit Abstand beste Abdeckung. Auf manchen Sites funktioniert auch Optus als zweitgrößter Anbieter.
Frag vorher nach. Die Admins oder die Leute, die dich zur Site mobilisieren, sagen dir in der Regel, welcher Anbieter dort funktioniert und ob es WLAN gibt. Sonst fragst du deinen Supervisor.
Das gilt für alle Bedingungen vor Ort. Niemand lässt dich ins kalte Wasser springen, aber du musst fragen. Wer fragt, bekommt in aller Regel eine hilfsbereite Antwort.
Hältst du die Zeit allein aus?
Für viele ist das Anstrengendste am Camp weder die Unterkunft noch die Arbeit. Es ist die Zeit, die sie mit sich allein verbringen.
Wenn du nicht gerade im Pub sitzt, bist du auf einer Site viel für dich. Über Wochen hast du sehr viel Zeit mit deinen eigenen Gedanken. Daran entscheidet sich, ob FIFO für dich funktioniert.
Für manche ist das der größte Abstrich, gerade wenn sie viel Zeit mit Familie oder Freunden verbringen wollen. Für andere ist es ein massiver Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung, weil sie zum ersten Mal seit Jahren Ruhe haben, um über ihr Leben nachzudenken und darüber, wie es aussehen soll.
Beide Reaktionen sind normal. Du solltest nur ehrlich einschätzen, zu welcher Sorte du gehörst.
Falls es dir zwischendurch zu viel wird: An jeder Tür im Camp hängen Telefonnummern von Ansprechpartnern, die du anrufen kannst. Ob es um die Familie geht, die Beziehung oder etwas anderes. Dafür ist gesorgt, und es nutzen mehr Leute, als du denkst.
Und dann kommt der Teil, den man vorher nicht auf dem Zettel hat. Zwei bis drei Tage vor dem Fly-out Day wächst die Vorfreude auf die freie Woche, die du gestalten kannst, wie du willst. Mit einem dicken Paycheck.

Du kannst dir das Leben auf Site vorstellen und möchtest selbst einen FIFO-Job finden? In meinem kostenlosen FIFO-Fahrplan zeige ich dir, welche Voraussetzungen du brauchst und wie du den Einstieg in Australien vorbereitest.
Was packst du für deinen ersten Swing ein?
Die Basics für deine Reisetasche.
Kleidung
- Uniform für drei bis vier Tage, wird meistens vom Arbeitgeber gestellt
- Safety Boots, oft ebenfalls vom Arbeitgeber gestellt. Wenn du selbst kaufst, bekommst du sie zum Beispiel bei Totally Workwear
- Freizeitkleidung und Gymwear für zwei bis drei Tage
- Badelatschen
- Sportschuhe, am besten keine weißen. Der rote Staub in Westaustralien frisst sich in alles, was hell ist
Hygiene und Kleinkram
- Zahnbürste
- Deo
- Trimmer
- Kopfhörer
- Ohrstöpsel, falls du einen lauten Nachbarn erwischst
- Wasserflasche oder Esky. Wird oft gestellt, aber lieber haben als nicht haben
Seife und Handtücher stellt das Camp. Was dir sonst noch fehlt, bekommst du im Kiosk auf der Site.
Stand der Angaben
Die Beschreibungen hier stammen aus fünf Jahren Fly-in-fly-out in Westaustralien, auf über 15 Camps, zuletzt 2026. Ausstattung, Alkoholregeln und Netzabdeckung unterscheiden sich von Betreiber zu Betreiber und ändern sich. Was auf deiner Site gilt, sagen dir die Leute, die dich mobilisieren, oder dein Supervisor.
Häufige Fragen
Teile ich mir das Zimmer mit jemandem?
In aller Regel nicht. Du hast dein eigenes Zimmer, meist mit eigenem Bad. Geteilte Badezimmer gibt es, sie sind aber die Ausnahme.
Was kostet mich die Unterkunft im Camp?
Nichts. Unterkunft und Verpflegung zahlt der Arbeitgeber, ebenso die Flüge zwischen Site und Point of Hire innerhalb Australiens. Was der Arbeitgeber nicht zahlt, sind Flüge zurück nach Europa.
Wie viel Alkohol darf ich im Camp trinken?
Auf den Camps, auf denen ich gearbeitet habe, waren meist maximal vier Mid-Strength-Getränke pro Abend erlaubt, dazu feste Ausschankzeiten. Die genaue Regel hängt vom Betreiber, vom Arbeitgeber und von der Site ab. Einzelne Camps sind vollständig alkoholfrei.
Habe ich auf der Mine Handyempfang?
Auf vielen Sites nicht durchgehend. Die meisten Camps haben aber WLAN bis ins Zimmer, sodass du deine Familie nach Feierabend erreichst. Beim Mobilfunk hat Telstra nach meiner Erfahrung die beste Abdeckung, auf manchen Sites funktioniert auch Optus.
Wie lange dauert eine Schicht im Mining?
Rund zwölf Stunden, meist von 5:00 oder 6:00 bis 17:00 oder 18:00 Uhr, mit einer Mittagspause von 30 bis 60 Minuten. Freie Tage gibt es während des Swings dagegen nicht, du arbeitest die zwei Wochen durch.
Wie viel Freizeit habe ich am Tag?
Nach der Schicht bleiben dir etwa drei Stunden, ungefähr von 18 bis 21 Uhr. In der Zeit duschst du, isst, wäschst und telefonierst nach Hause. Wer keine Routine hat, verliert diese drei Stunden schnell.
Wie viel Kleidung brauche ich für einen Swing?
Uniform für drei bis vier Tage und Freizeitkleidung für zwei bis drei Tage reichen. Im Camp gibt es einen Laundry Room, du wäschst also mittendrin.
Muss ich Safety Boots selbst kaufen?
Oft stellt sie der Arbeitgeber. Wenn du selbst kaufst, bekommst du sie in Australien zum Beispiel bei Totally Workwear.
Wird mein Zimmer im Camp gereinigt?
Ja. Einmal pro Woche oder auf Anfrage wird das Zimmer gereinigt, dazu bekommst du frische Bettbezüge und Handtücher.
